Ein SSL-Zer­ti­fi­kat weist nach, dass deine Website wirklich dir gehört, und schaltet die Leitung zwischen Browser und Server auf ver­schlüs­selt. Damit bleiben Eingaben wie Pass­wör­ter, Kon­takt­da­ten oder Be­stel­lun­gen auf dem Weg zum Server für Dritte unlesbar.

Zu­sam­men­fas­sung

  • Ein SSL-Zer­ti­fi­kat weist deine Website aus und ver­schlüs­selt die Ver­bin­dung
  • Sobald per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten über deine Website laufen, führt kaum ein Weg daran vorbei
  • Den Preis treibt die Prüfstufe und die Reich­wei­te, nicht die Ver­schlüs­se­lung
  • Kos­ten­lo­se Zer­ti­fi­ka­te decken die unterste Prüfstufe für eine einzelne Domain ab
  • Der kürzeste Bezugsweg führt über den Hoster, bei dem dein Web­hos­ting liegt
  • DV, OV und EV un­ter­schei­den sich darin, wie genau die aus­stel­len­de Stelle hinsieht
  • Lauf­zei­ten werden kürzer, au­to­ma­ti­sche Er­neue­rung wird zur Nor­ma­li­tät

Brauchst du überhaupt eines?

Kurz: in fast allen Fällen ja. Ein Gesetz, das wörtlich von einer „SSL-Pflicht“ spricht, gibt es zwar nicht [PRÜFEN: kein Gesetz nennt eine wörtliche SSL-Pflicht]. Die DSGVO verlangt aber Schutz­maß­nah­men, die dem Stand der Technik ent­spre­chen, sobald du per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten über­trägst [PRÜFEN: DSGVO verlangt Schutz­maß­nah­men nach dem Stand der Technik]. Ver­schlüs­sel­te Über­tra­gung gehört heute dazu.

In der Praxis heißt das: Sobald deine Website ein Kon­takt­for­mu­lar, einen Login, eine Be­stell­funk­ti­on oder eine News­let­ter-Anmeldung hat, ist eine un­ver­schlüs­sel­te Über­tra­gung nicht mehr haltbar. Dieser Artikel ordnet den Me­cha­nis­mus ein und ersetzt keine Rechts­be­ra­tung — für deinen konkreten Fall ist eine fach­kun­di­ge Auskunft der richtige Weg.

Dazu kommt der Effekt bei den Menschen, die deine Seite besuchen. Browser zeigen fehlende Ver­schlüs­se­lung sichtbar an und warnen, bevor jemand ein Passwort eintippt. Eine Warnseite steht zwischen deinem Inhalt und deinem Publikum, und sie kostet Vertrauen, bevor der erste Satz gelesen ist. Ein fehlendes Zer­ti­fi­kat bedeutet nicht au­to­ma­tisch Betrug, es erhöht aber das Risiko für alle Be­tei­lig­ten.

Technisch arbeiten heutige Zer­ti­fi­ka­te mit zwei Schlüs­seln statt einem: Ver­schlüs­selt wird mit dem öf­fent­li­chen Schlüssel, ent­schlüs­seln lässt sich die Nachricht nur mit dem privaten. Den öf­fent­li­chen Schlüssel liefert dein Server über das Zer­ti­fi­kat mit. Ver­brei­tet sind das Ver­schlüs­se­lungs­ver­fah­ren AES und die Hash­funk­ti­on SHA256, die konkreten Verfahren wechseln im Lauf der Zeit. Hinter dem Namen SSL steckt übrigens längst der Nach­fol­ger TLS — der alte Name hat sich einfach gehalten.

Was du dafür zahlst, und wann null Euro genügen

Die wich­tigs­te Nachricht zuerst: Die Ver­schlüs­se­lung selbst ist bei einem kos­ten­lo­sen und einem kos­ten­pflich­ti­gen Zer­ti­fi­kat technisch dieselbe. Was den Preis treibt, ist der Aufwand der Prüfung und die Reich­wei­te des Zer­ti­fi­kats.

Preis­trei­ber Wirkung
Prüfstufe (DV, OV, EV) Je mehr die aus­stel­len­de Stelle prüft, desto mehr Hand­ar­beit steckt darin
Reich­wei­te (eine Domain, Sub­do­mains, mehrere Domains) Mehr ab­ge­deck­te Adressen bedeuten einen höheren Preis
Support und Betreuung Bezahlte Zer­ti­fi­ka­te kommen mit An­sprech­stel­le, kos­ten­lo­se in der Regel ohne
Laufzeit und Er­neue­rung Manuelle Ver­län­ge­rung bindet Zeit, Au­to­ma­ti­sie­rung spart sie

Seit 2015 stellt die Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­le Let’s Encrypt Zer­ti­fi­ka­te kos­ten­frei aus. Das deckt die unterste Prüfstufe ab und gilt meist für eine einzelne Domain. Für eine Ver­eins­sei­te, einen Blog oder die Vi­si­ten­kar­ten-Website eines Ein­zel­un­ter­neh­mens reicht das in der Regel aus.

Kos­ten­pflich­tig wird es, sobald du mehr brauchst: eine höhere Prüfstufe, mehrere Domains in einem Zer­ti­fi­kat oder eine An­sprech­stel­le, die bei Problemen hilft. Höhere Prüf­stu­fen gibt es aus­schließ­lich kos­ten­pflich­tig, weil dahinter Menschen Un­ter­la­gen prüfen.

Kostenlos heißt nicht unsicher

Ein kos­ten­lo­ses Zer­ti­fi­kat ver­schlüs­selt genauso gut wie ein bezahltes. Der Un­ter­schied liegt in der Prüfung der Identität und in der Reich­wei­te, nicht in der Si­cher­heit der Ver­bin­dung. Wer dir etwas anderes erzählt, verkauft dir die Prüfstufe als Ver­schlüs­se­lungs­qua­li­tät.

Woher du eines bekommst

Es gibt drei gangbare Wege und einen, der für öf­fent­li­che Websites aus­schei­det.

  • Über deinen Hoster: Dort, wo deine Domain und dein Web­hos­ting liegen, laufen Aus­stel­lung und In­stal­la­ti­on zusammen. Das ist meist der kürzeste Weg, weil du dich um die Da­tei­for­ma­te auf dem Server nicht selbst kümmern musst.
  • Direkt bei einer Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­le: sinnvoll, wenn du eine bestimmte Stelle oder eine bestimmte Prüfstufe brauchst und den Server selbst betreust.
  • Über Let’s Encrypt: kos­ten­frei, oft bereits au­to­ma­ti­siert in die Ober­flä­che des Hosters ein­ge­bun­den, inklusive au­to­ma­ti­scher Er­neue­rung.
  • Selbst aus­ge­stellt: funk­tio­niert technisch, Browser erkennen solche Zer­ti­fi­ka­te aber nicht an. Für eine öf­fent­li­che Website ist das keine Option, höchstens für interne Test­um­ge­bun­gen.

Ent­schei­dend ist in allen Fällen dasselbe: Die Brow­ser­her­stel­ler müssen die aus­stel­len­de Stelle an­er­ken­nen. Ohne diese An­er­ken­nung bringt dir das beste Zer­ti­fi­kat nichts, weil die Warnseite trotzdem erscheint. Bei world4you buchst du ein SSL-Zer­ti­fi­kat als Zusatz zu deiner Domain — von einer kos­ten­lo­sen Ba­sis­va­ri­an­te bis zu höheren Prüf­stu­fen, je nachdem, was dein Projekt braucht.

Wenn du dich ohnehin gerade mit der Ab­si­che­rung deiner Umgebung be­schäf­tigst, lohnt ein Blick auf die Grund­la­gen: Server absichern behandelt die Schritte, die neben der Trans­port­ver­schlüs­se­lung da­zu­ge­hö­ren. Liegen Domain und Web­hos­ting bei ver­schie­de­nen Stellen, ver­ein­facht ein Domain-Umzug die Ver­wal­tung, weil danach alles an einem Ort zu­sam­men­läuft.

Nach der Aus­stel­lung muss das Zer­ti­fi­kat auf dem Server in­stal­liert werden. Dafür gibt es ver­schie­de­ne Da­tei­for­ma­te, und welches du brauchst, hängt von der ein­ge­setz­ten Ser­ver­soft­ware ab. Übernimmt dein Hoster diesen Schritt, entfällt die Auswahl für dich komplett.

Wie streng geprüft wird: DV, OV und EV

Die drei Prüf­stu­fen un­ter­schei­den sich darin, was die aus­stel­len­de Stelle kon­trol­liert, bevor sie ausstellt. Die Ver­schlüs­se­lung bleibt über alle Stufen gleich.

Prüfstufe Geprüft wird Passend, wenn
Domain Va­li­da­ti­on (DV) Nur die Kontrolle über die Domain, au­to­ma­ti­siert Du eine Website ohne Zahlungs- oder Kon­to­da­ten betreibst
Or­ga­niza­ti­on Va­li­da­ti­on (OV) Zu­sätz­lich Un­ter­la­gen des Un­ter­neh­mens, oft ein Fir­men­buch­aus­zug, teils ein Telefonat Besucher:innen sehen sollen, welche Or­ga­ni­sa­ti­on hinter der Website steht
Extended Va­li­da­ti­on (EV) Domain, Or­ga­ni­sa­ti­on sowie die an­trag­stel­len­de Person samt Be­rech­ti­gung Du im besonders sensiblen Umfeld arbeitest und die strengste Prüfung brauchst

Bei der Domain Va­li­da­ti­on führst du den Nachweis über eine E-Mail-Adresse, einen DNS-Eintrag oder eine Datei auf dem Server. Wie der Weg über den DNS-Eintrag funk­tio­niert, erklärt der Guide zu DNS-Server. Dieser Teil läuft au­to­ma­ti­siert ab und dauert meist nur Minuten.

Bei der Or­ga­niza­ti­on Va­li­da­ti­on wird die geprüfte Or­ga­ni­sa­ti­on im Zer­ti­fi­kat sichtbar. In­ter­es­sier­te können also nachsehen, wer die Website betreibt. Für die Extended Va­li­da­ti­on muss die aus­stel­len­de Stelle selbst dazu au­to­ri­siert sein. Diese Au­to­ri­sie­rung vergibt das CA/Browser-Forum, ein Zu­sam­men­schluss von Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­len und Brow­ser­her­stel­lern.

Eine Domain oder gleich alle Sub­do­mains?

Die zweite Ent­schei­dung betrifft die Reich­wei­te. Sie hängt nicht an der Prüfstufe, sondern daran, wie viele Adressen du ab­si­cherst.

Variante Deckt ab Sinnvoll, wenn
Single Name Eine Domain samt Un­ter­sei­ten, keine Sub­do­mains Deine gesamte Website unter einer Adresse liegt
Wildcard Zu­sätz­lich alle Sub­do­mains Du neben musterfirma.at auch shop.musterfirma.at betreibst
Multi-Domain (SAN) Mehrere ei­gen­stän­di­ge Domains in einem Zer­ti­fi­kat Du mehrere Projekte oder Län­der­do­mains gebündelt verwalten willst

Der häufigste Stol­per­stein liegt bei den Sub­do­mains: Ein Zer­ti­fi­kat für musterfirma.at deckt zwar alle Un­ter­sei­ten ab, nicht aber eine Subdomain wie blog.musterfirma.at. Wenn dir der Un­ter­schied zwischen Un­ter­sei­te und Subdomain noch nicht ganz klar ist, hilft der Guide Was sind Domains? weiter.

Was in Ös­ter­reich dazukommt

Der tech­ni­sche Rahmen ist in­ter­na­tio­nal, der or­ga­ni­sa­to­ri­sche hat heimische Ei­gen­hei­ten.

  • Zer­ti­fi­ka­te bekommst du sowohl bei ös­ter­rei­chi­schen Anbietern und Hostern als auch bei in­ter­na­tio­na­len Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­len. Beides ist gleich­wer­tig, solange die Brow­ser­her­stel­ler die aus­stel­len­de Stelle an­er­ken­nen.
  • Bei der Or­ga­niza­ti­on Va­li­da­ti­on tritt der Fir­men­buch­aus­zug an die Stelle des Dokuments, das in Deutsch­land Han­dels­re­gis­ter­aus­zug heißt. Halte ihn bereit, bevor du den Antrag stellst.
  • Die Wirt­schafts­kam­mer Ös­ter­reich in­for­miert zum Thema und ist für Betriebe eine geläufige An­lauf­stel­le, wenn du eine neutrale Ein­schät­zung suchst.
  • Die DSGVO gilt in Ös­ter­reich wie im übrigen EU-Raum. Für die Frage, ob du ver­schlüs­seln musst, macht der Standort deines Betriebs also keinen Un­ter­schied.

Läuft deines noch? So siehst du nach

Zer­ti­fi­ka­te laufen ab, derzeit nach einer Dauer zwischen einem und dreizehn Monaten. Das Datum steht im Zer­ti­fi­kat selbst, zusammen mit dem Beginn der Gül­tig­keit. So prüfst du den Stand deiner eigenen Website:

  1. Rufe deine Website im Browser auf und sieh in die Adress­zei­le. Steht dort https:// und ein Schloss-Symbol, ist ein Zer­ti­fi­kat aktiv.
  2. Klicke auf das Schloss. Der Browser zeigt die aus­stel­len­de Stelle, das ver­wen­de­te Ver­schlüs­se­lungs­ver­fah­ren und die Gül­tig­keits­dau­er.
  3. Ver­glei­che das Ab­lauf­da­tum mit dem heutigen. Liegt es nahe, kümmere dich um die Er­neue­rung, bevor es so weit ist.
  4. Prüfe, ob dein Hoster die Er­neue­rung au­to­ma­tisch übernimmt. Wenn ja, erledigt sich der Rest von selbst.

In der De­tail­an­sicht findest du neben der Gül­tig­keit noch weitere Angaben, die bei einer Rückfrage hilfreich sind:

  • Die aus­stel­len­de Stelle, also die Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­le, die für die Prüfung ge­ra­de­steht
  • Die Se­ri­en­num­mer, über die sich das einzelne Zer­ti­fi­kat eindeutig benennen lässt
  • Den Fin­ger­ab­druck, eine Prüfsumme über den Inhalt des Zer­ti­fi­kats
  • Bei OV- und EV-Zer­ti­fi­ka­ten zu­sätz­lich die geprüfte Or­ga­ni­sa­ti­on
Die Lauf­zei­ten werden kürzer

Das CA/Browser-Forum hat be­schlos­sen, die maximale Laufzeit von Zer­ti­fi­ka­ten bis 2029 schritt­wei­se auf 47 Tage zu senken. Manuelles Ver­län­gern wird damit zur Fleiß­auf­ga­be — au­to­ma­ti­sche Er­neue­rung über den Hoster wird zur Nor­ma­li­tät.

Fehlt ein gültiges Zer­ti­fi­kat, warnen Browser spä­tes­tens bei der Eingabe von Pass­wör­tern. Diese Warnung bezieht sich auf die Ver­bin­dung, nicht auf die Absichten der Be­trei­ber­sei­te. Für dein Publikum ist der Un­ter­schied al­ler­dings schwer erkennbar, und das spricht dafür, den Ablauf im Blick zu behalten.

Unterm Strich ist die Ent­schei­dung über­sicht­li­cher, als die Ab­kür­zun­gen vermuten lassen. Fast jede Website braucht ein Zer­ti­fi­kat, die Ver­schlüs­se­lung ist überall dieselbe, und für eine klas­si­sche Un­ter­neh­mens- oder Ver­eins­sei­te genügt die unterste Prüfstufe für eine einzelne Domain. Erst wenn du Sub­do­mains ab­si­cherst, mehrere Projekte bündelst oder deine Or­ga­ni­sa­ti­on im Zer­ti­fi­kat sichtbar machen willst, lohnt sich der Schritt zu einer höheren Stufe oder größeren Reich­wei­te. Den kürzesten Weg hast du dort, wo deine Domain und dein Web­hos­ting ohnehin schon liegen.

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