RDAP: Die moderne Lösung für deine Whois-Abfragen
Früher konntest du die Inhaber:innen einer Domain mithilfe von Whois-Diensten ausfindig machen, die auf dem gleichnamigen Protokoll basieren. Bereits 2015 legten IETF und ICANN jedoch die ersten Standards für das RDAP (Registration Data Access Protocol) fest. Dieses Protokoll ist darauf ausgelegt, die Nachfolge von Whois zeitnah anzutreten.
Was ist das Registration Data Access Protocol (RDAP)?
Das Registration Data Access Protocol (RDAP) wurde von einer Arbeitsgruppe der Internet Engineering Task Force (IETF) entwickelt. Nach einer mehrjährigen Vorbereitungszeit erschien im Juli 2016 die erste Version (1.0). Die technischen Details und Anwendungen sind in verschiedenen Requests for Comments (RFC 7480-7484 sowie RFC 8056) definiert. RDAP erlaubt es, detaillierte Informationen zu zentralen Internetressourcen abzurufen, wie etwa:
- Domain-Namen,
- IP-Adressen oder
- Autonomous System Numbers (ASNs).
Dabei dient diese Whois-Alternative als Schnittstelle, um gezielte Anfragen an Domain-Registrare zu richten. Diese speichern in ihren Datenbanken wichtige Informationen, wie die Kontaktdaten von Domain-Inhaber:innen, administrativen Ansprechpersonen (Admin-C) oder Details zu den verwendeten Nameservern samt deren Verwaltung.
Warum wurde RDAP entwickelt?
Das Whois-Protokoll wurde bereits 1982 von der IETF veröffentlicht, ursprünglich für das damalige ARPANET. Dass es nach Jahrzehnten im modernen Internet immer noch genutzt wird, sehen Fachleute kritisch. Der Hauptgrund: Whois kann mit den heutigen technischen Anforderungen des Webs nicht mehr Schritt halten.
Ein Problem ist beispielsweise die fehlende Kodierung, wodurch nicht-lateinische Schriftzeichen (wie etwa deutsche Umlaute) nicht unterstützt werden. Zudem erfolgt der Zugriff auf Domain-Daten oft unverschlüsselt und ist kaum regulierbar. So können auch anonyme Nutzer:innen problemlos sensible Mail- und Adressdaten für missbräuchliche Zwecke abgreifen.
Ansätze wie Whois++ oder das IRIS-Protokoll (Internet Registry Information Service) der Denic konnten sich nicht dauerhaft etablieren. Nach langen Diskussionen innerhalb der ICANN-Community gab der Sicherheitsbericht SAC 051 im Jahr 2011 den Anstoß für die Entwicklung von RDAP.
Im Jänner 2023 stimmte die ICANN global darüber ab, WHOIS offiziell durch RDAP zu ersetzen. Die Mehrheit entschied sich für diesen Wechsel. Ab Jänner 2025 sind DNS-Registries und Registrare nicht mehr verpflichtet, den alten WHOIS-Dienst anzubieten.
Wie funktioniert RDAP?
Um RDAP zu nutzen, ist ein Verständnis der Funktionsweise auf Client- und Server-Seite nötig. Die RFCs 7480 bis 7484 beschreiben die Basis-Implementierung, während weitere Dokumente Erweiterungen erläutern. Im Folgenden skizzieren wir den Ablauf über HTTPS, wie er im RFC 7840 definiert ist.
Für eine leichtere Umsetzung hat die ICANN einen technischen RDAP Implementation Guide erstellt.
Aufgaben des Clients:
Die clientseitige Einbindung ist unkompliziert. Da RDAP auf HTTP aufsetzt, nutzt es bewährte HTTP-Methoden. Clients senden Anfragen via GET oder HEAD. Dabei sollte ein „Accept“-Header mitsenden, der festlegt, welche JSON-Formate verarbeitet werden können.
Aufgaben des Servers:
Serverseitig ist der Prozess komplexer. Bei einer erfolgreichen Abfrage liefert der Server die Daten im JSON-Format mit dem Statuscode 200 (OK) aus. Während GET-Anfragen die Inhaberdaten liefern, bestätigt eine HEAD-Anfrage lediglich, ob Daten zur Domain vorliegen.
Verweist der Server auf eine andere Quelle, antwortet er mit den Statuscodes 301, 302, 303 oder 307. Die Ziel-URL wird dabei im „Location“-Header übermittelt.
Sind keine Daten vorhanden, folgt der Statuscode 404 (Not Found). Möchte der Server den Zugriff verweigern, nutzt er einen passenden Code aus dem 400er-Bereich. Fehlerhafte Anfragen werden mit 400 (Bad Request) quittiert, wobei oft Details im HTTP-Body mitgeliefert werden.
Detaillierte Infos zu Sicherheit und Erweiterungen findest du in den jeweiligen RFCs:
- RFC 7840: HTTP-Ablauf
- RFC 7841: Sicherheitsdienste
- RFC 7842: Anfrageformat
- RFC 7843: JSON-Antworten
- RFC 7844: Autoritativen Server finden
Was unterscheidet das Registration Data Access Protocol von Whois?
RDAP ist in vielen Belangen die modernisierte Form von Whois. Die IETF hat gezielt Schwachstellen behoben und den Fokus auf Sicherheit, Struktur und Internationalisierung gelegt. Die wichtigsten Vorteile sind:
- Strukturierte Semantik für Anfragen und Antworten (inkl. Fehlermeldungen)
- Abgesicherter Zugriff auf Daten (z. B. via HTTPS)
- Einfache Erweiterbarkeit der Ausgabewerte
- „Bootstrapping“-Funktion (hilft beim Finden des richtigen DNS-Servers)
- Standardisierte Mechanismen zur Weiterleitung
- Basiert auf HTTP und ist REST-konform
- Leichte Lokalisierung und Übersetzung der Daten
- Option für abgestuften Zugriff auf Kontaktdaten
RDAP ist deutlich flexibler: Während Whois als Textprotokoll fest an TCP und Port 43 gebunden ist, nutzt RDAP moderne Webstandards. Daten werden im maschinenlesbaren JSON-Format ausgegeben. Das erleichtert die Programmierung von Diensten, die mit verschiedenen Stellen kommunizieren und Ergebnisse in unterschiedlichen Sprachen anzeigen.
| RDAP | Whois |
|---|---|
| Basiert auf HTTP | Basiert auf Textübertragung |
| Standardisiertes JSON-Format | Keine festen Codierungs-Schemata |
| Maschinenlesbar & leicht übersetzbar | Klartext (schwer automatisiert zu verarbeiten) |
| Automatische Weiterleitung zu Registrierungsstellen | Keine integrierten Register-Infos zur Weiterleitung |
| Definierbare Zugriffsrechte für Gruppen | Keine Differenzierung beim Datenzugriff möglich |
Diskussionspunkt: Differenzierte Zugriffsrechte
Ein Kernfeature von RDAP ist die Steuerung von Zugriffsrechten. Registrierungsstellen können präzise festlegen, wer welche Informationen sieht. So könnten anonyme Gäste nur Basisdaten erhalten, während authentifizierte Nutzer:innen vollen Einblick bekommen. Hier gibt es jedoch noch offene Fragen.
Beispielsweise ist unklar, wie Behörden bei der Strafverfolgung behandelt werden, die oft anonym bleiben, aber vollen Zugriff benötigen. Auch Richtlinien für den grenzüberschreitenden Datenaustausch fehlen teilweise noch. Im Zentrum steht immer der Schutz persönlicher Daten und das Vertrauen der Kundschaft, die eine Domain registriert. Dieses Vertrauen darf durch die neue Technik nicht gefährdet werden. world4you setzt hier auf höchste Standards, um deine Daten sicher und rechtskonform zu verwalten.