Neue TLDs: Tipps, damit bei deiner Domain alles glatt läuft
Die Einführung neuer generischer TLDs sollte den Domainmarkt beleben. Theoretisch war plötzlich jeder Begriff möglich, der den Richtlinien der ICANN entsprach. Diese Freiheit sorgte nicht nur für eine Vielfalt kreativer Endungen wie .guru, .sucks oder .wtf, sondern brachte in Einzelfällen auch Herausforderungen mit sich.
Neue TLDs: Hürden und Limits bei der Registrierung
Der Beschluss der ICANN, die Adressvergabe zu öffnen und neue Top-Level-Domains einzuführen, stieß sofort auf großes Interesse. Kurz nach Bekanntgabe starteten die ersten Initiativen mit Anträgen bei der Verwaltungsstelle – darunter Firmen, Städte sowie Organisationen. Das Spektrum reichte von Markendomains wie .apple oder .bmw über regionale Endungen wie .berlin oder .wien bis hin zu allgemeinen Begriffen wie .love, .blog oder .shop.
Was passiert jedoch, wenn Mitbewerber:innen oder Kritiker:innen die passende Endung zum eigenen Markennamen oder Business besetzen? Über die **Verfügbarkeit und die Nutzungsregeln** entscheidet die Organisation, die von der ICANN als Registry bestätigt wurde. Das führte oft zu Konflikten, bei denen Interessengruppen bestimmte TLDs für sich beanspruchten und andere ausschließen wollten. Deshalb gibt es heute viele [exklusive Top-Level-Domains](t3://page?uid=491), die **Privatpersonen gar nicht oder nur eingeschränkt offenstehen**.Marken-nTLDs
Markendomains sind nTLDs, die exklusiv für die jeweiligen Markeninhaber:innen reserviert sind. Etwa ein Drittel aller Anträge bei der ICANN kam von Unternehmen, die ihre eigene Endung verwalten wollten – wie Google oder BMW. Oft geht es dabei weniger um den direkten Nutzen der Endung, sondern um den Schutz vor Cybersquatting, also der Besetzung durch Dritte.
Für dich als Privatperson besteht hier kaum ein Risiko: Da Marken-nTLDs nicht im freien Handel angeboten werden, kannst du nicht versehentlich eine geschützte Marken-Endung registrieren.
Du möchtest mehr über Cybersquatting und die Abgrenzung zum Domaingrabbing wissen? In unserem Beitrag über Domaingrabbing und Cybersquatting erfährst du alles Wichtige dazu.
Domains mit CPE-Status
Die „Community Priority Evaluation“ (CPE) hilft Interessengruppen dabei, sich gegen finanzstarke Konzerne durchzusetzen. Wird eine Community-Bewerbung eingereicht, hat diese Vorrang – sofern bewiesen wird, dass die Mehrheit der Community dahintersteht. Solche Domains sind meist nur für Personen zugänglich, die Teil dieser Community oder Branche sind. So ist die .hotel-Endung etwa nur für Betriebe aus der Hotellerie reserviert. Prüfe daher vorab die Kriterien, um Sperren oder rechtliche Probleme zu vermeiden.
Regionale nTLDs
Regionale Endungen wie .wien, .bayern oder .berlin sind sehr beliebt. Sie ordnen dein Angebot sofort lokal zu und sprechen die Zielgruppe direkt an. Meist musst du dafür einen Wohn- oder Geschäftssitz in der jeweiligen Region nachweisen. So bleibt die nTLD authentisch. Ein Profi-Tipp: Manchmal klappt die Registrierung über Treuhänder vor Ort, die offiziell als Inhaber fungieren.
Konflikte rund um die Vergabe neuer TLDs
Da für jede Domainregistrierung Gebühren anfallen, ist der Betrieb einer beliebten nTLD ein lukratives Geschäft. Das Problem: Große Konzerne können Millionen für Lizenzen zahlen, während Organisationen leer ausgehen. Besonders heikel wird es, wenn Unternehmen versuchen, allgemeine Begriffe als exklusive Markendomains zu sichern.
Obwohl die ICANN-Regeln die exklusive Nutzung allgemeiner Begriffe eigentlich untersagen, gab es in der Vergangenheit immer wieder strittige Entscheidungen.
Ferrero sichert sich .kinder
Die Endung .kinder ist seit 2015 die offizielle Marken-TLD für Ferrero. Das stieß auf viel Kritik von Kinderschutzorganisationen, doch der Einspruch kam zu spät. Die ICANN akzeptierte das Argument, dass „kinder“ nur im deutschen Sprachraum ein allgemeiner Begriff sei, die Marke jedoch international bekannt ist. Ferrero darf die Domain allerdings nur für Schokolade nutzen – allgemeine Kinder-Websites unter dieser Endung sind untersagt.
Der lange Kampf um .amazon
Amazon (der Online-Riese) hatte es schwerer. 2012 legte die ACTO, ein Verbund zum Schutz des Amazonas-Beckens, Einspruch gegen die Endung .amazon ein. Angeführt von Peru und Brasilien wollte man die Domain für Umweltschutz und Indigenen-Rechte reservieren. Geografische Begriffe genießen bei der ICANN eigentlich besonderen Schutz.
Erst 2019 entschied die ICANN zugunsten des Konzerns. Amazon darf .amazon nun als Marken-TLD führen. Ein Angebot des Konzerns, den ACTO-Mitgliedern Waren im Wert von 5 Millionen Dollar zu schenken, hatte den Konflikt zuvor nicht lösen können.
Eingeplante Probleme mit neuen TLDs
Auch bei frei verfügbaren nTLDs gibt es rechtliche Fallstricke. Kritisch sind vor allem Endungen, die zur Diffamierung von Marken oder Personen einladen. Bekannte Beispiele sind .sucks, .porn oder .wtf. Hier solltest du bei der Nutzung besonders vorsichtig sein, um keine Klagen zu riskieren.
.sucks – wenn die Domain nervt
„This sucks“ steht im Englischen für großen Unmut. Markeninhaber fürchten, dass diese TLD nur für Kritik genutzt wird, und nutzen Defensiv-Registrierungen als Schutzschild. Auch Promis wie Taylor Swift haben sich vorsorglich entsprechende .sucks- und .porn-Domains gesichert, um Missbrauch vorzubeugen.
Die Registry Vox Populi sieht das entspannter: Sie versteht die Endung eher als Chance für Unternehmen, in einen offenen Dialog mit der Kundschaft zu treten.
Wann Defensiv-Registrierungen verzichtbar sind
Heikel wird es bei .sucks oder .wtf meist nur in Kombination mit geschützten Namen. Während eine Website wie www.monday.sucks unproblematisch ist, verletzen Adressen wie www.hier-marke-einfügen.sucks oft das Markenrecht, wenn sie nicht vom Rechteinhaber selbst geführt werden.
Du musst aber nicht jede TLD selbst kaufen, um deine Markenrechte zu wahren. Die ICANN bietet mit dem Trademark Clearinghouse und dem Uniform Rapid Suspension (URS) Schutzmechanismen an. Im Trademark Clearinghouse hinterlegst du deine Marke und wirst informiert, wenn jemand eine ähnliche Domain beantragt. Über das URS-Verfahren kannst du bei offensichtlichem Missbrauch eine schnelle Sperrung erwirken.